Ständelwurzen

Von der Gattung Epipactis (Ständelwurz oder Sumpfwurz) sind ungefähr 20 Arten in der Literatur beschrieben. Für die Gartenanpflanzung eignen sich vor allem Sumpfbewohner wie Epipactis palustris, Epipactis gigantea und die Hybride "Sabine". Bei großflächigen Anpflanzungen am Teichrand oder im Moorbeet sind Sumpfwurzen ganz besonders zu empfehlen.



Alle Mitglieder der Epipactis-Familie sind an ihrem typischen Pflanzenaufbau und an Ihrer Blütenform zu erkennen. Im hinteren Abschnitt der Lippe ist eine dunkle Wölbung angebracht, die von angesammeltem Nektar glänzt. Dadurch werden Insekten angelockt, die bei der Nahrungsaufnahme zugleich Pollen aufladen. Beim Besuch der nächsten Pflanze geben sie die Pollenpakete wieder ab. Arterhaltung und Ausbreitung werden damit gesichert.

In der Antike wurde von bekannten Botanikern Epipactis als Heilmittel empfohlen. Bei Vergiftungen sei eine Epipactispflanze zu zerstoßen und als Gegengift einzunehmen. Besuchen Hummeln, Wespen und Bienen eine Epipactisblüte, taumeln und schwanken sie anschließend zur nächsten. Es wird vermutet, dass der sehr zuckerhaltige Nektar mit Spuren von bisher nicht identifizierten Giftstoffen angereichert ist, die auf Insekten narkotisierend wirken. Dieselben "Drogen" wurden wohl auch von den Pharmakologen der Antike genutzt.

Dekorative Blütenteppiche in Ihrem Garten

Die duftenden, nektarreichen Blüten der Epipactis-Arten werden häufig von Bienen, Wespen und Schwebefliegen besucht. Selbst Käfer werden bei der Bestäubung beobachtet. Darüber hinaus können sich Epipactis, bei ausbleibendem Insektenbesuch, auch selbst bestäuben. Epipactis entwickeln sich vom Samen bis zur Blüte in nur zwei Jahren, was bei Orchideen die große Ausnahme ist. Auch die vegetative Vermehrung durch Verzweigung des Rhizoms ist stark ausgeprägt. So verwundert es nicht, dass sich in nur kurzer Zeit ein ausgedehnter Blütenteppich entwickeln kann.

Pilzabhängigkeit von manchen Epipactis-Arten

Einige Epipactis-Arten haben ihre "Nische" im relativ lichtarmen Wald gefunden. Nur spezialisierte Pflanzen, die sich ausschließlich auf die Unterstützung von Mykorrhiza-Pilzen verlassen, besiedeln solche Standorte. Sie bilden oft kein Blattgrün aus und betreiben kaum Fotosynthese. Sie decken ihren Energiebedarf durch die Unterstützung der Pilze ab. Eine lebenslange Pilzabhängigkeit ist die Folge. Solche Epipactis-Arten lassen sich kaum asymbiotisch aussäen und stehen deshalb für die Anpflanzung im Garten nicht zur Verfügung.

Naturformen oder Hybriden

Bei Epipactis lassen sich nur aus den Arten, die sich zur Anpflanzung im Garten eignen, Hybriden bilden. Ob Hybriden oder Naturformen, sie sind alle gleich starkwüchsig und unkompliziert. Sie unterscheiden sich ausschließlich in Blütenform, Farbe und Wuchshöhe.

Standortauswahl

Die hier angebotenen Epipactis-Arten sind alle Bewohner von feuchten, sumpfigen Zonen. Sehr gut gedeihen sie in voller Sonne, nehmen aber auch mit halbschattigen Plätzen vorlieb. Das Erdreich kann leicht sauer, neutral oder auch leicht basisch sein. Diese Epipactis-Arten sind sehr anpassungsfähig. Es kommt ein Platz am Teichrand, im Moor- oder Staudenbeet, oder auch auf einer Blumenwiese in Frage. Ein Überwuchern durch stark wachsende Begleitpflanzen sollte verhindert werden.

Vorbereitung der Beete und Anpflanzen

In einer etwa 25 cm tiefen Grube wird geeignetes Substrat eingebracht. Die Rhizome werden im oberen Bereich, etwa 10 cm unter der Erde, flach ausgebreitet. Die Sproßknospen sollten cirka 2 cm tief ins Substrat eingesenkt werden.

Substrat

Lockeres und krümeliges Substrat ist wichtig. Lehmige Gartenerde eignet sich, wenn man sie mit Torf und Perlite mischt.

Pflege

Das Pflanzbeet sollte feucht gehalten werden. Während der Wachstumsphase wird mit Orchideendünger oder Osmocote vorsichtig gedüngt. Nacktschnecken sollten ferngehalten werden. Andere Schädlinge treten selten auf. Bei Bedarf können sie mit den handelsüblichen Präparaten bekämpft werden.

Orchideen aus anderen Kontinenten

Viele Naturschützer sehen es gar nicht gerne, wenn Orchideen aus anderen Ländern oder gar anderen Kontinenten in deutschen Gärten Einzug halten. Als Beispiel sei hier Epipactis gigantea aus USA genannt. Sie befürchten eine ungünstige Veränderung der heimschen Flora und ein Verdrängen von heimischen Orchideen. Ich kann diese Sorge nicht teilen.
Orchideen sind sehr sensible Pflanzen. Finden sie keine optimalen Bedingungen vor, können sie ohne Hilfe (Pflege) nicht überleben.

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