RagwurzenRagwurzen (Ophrys) stellen eine botanische Kostbarkeit dar. Jede Blüte ist ein Zeugnis evolutionärer Entwicklung. Im täglichen Kampf um`s Überleben sind Ophrys-Arten wahrlich erfindungsreich. Sie können sich diese Überlebenskünstler im eigenen Garten auspflanzen und haben damit Gelegenheit biologische Vorgänge hautnah zu beobachten. Die vier heimischen, winterharten Arten eignen sich sehr gut dafür. | |
Die Ophrys-Arten sind das Ergebnis raffinierter Strategien der Natur. Sie locken ihre Bestäuberinsekten als Sexualobjekt an. Ihre Blütenlippe ähnelt individuellen Insekten: Bienen, Hummeln, Fliegen usw. Sie imitieren in Form, Farbe und Duft Weibchen ihrer Bestäuberarten. Damit veranlassen sie die Männchen zu "Pseudokopulationen", wodurch die Bestäubung erfolgt. Überleben und weitere Verbreitung sind gesichert. Griechische Klassiker entwickelten folgende Theorie für die Entstehung der Ophrys-Arten: Aus ihren Beobachtungen nahmen sie an, Bienen und Wespen entströmen aus den Kadavern von Stieren und anderen Weidetieren. Ragwurzen, besonders interessante PflanzenFür jeden Naturfreund sind Ragwurzen ein interessantes Studienobjekt. Blüten derselben Art sehen oft sehr unrerschiedlich aus. Am gleichen Stängel kann es verschiedene Farben und Blütenzeichnungen geben. Besonders spannend ist es, Hybridenbildung zu verfolgen. Einige Erfahrung ist notwendig, um beteiligte Ophrys-Arten als Elternpflanzen zu identifizieren. Naturformen oder HybridenStehen unterschiedliche Ophrys-Arten am gleichen Standort, kommt es fast immer zur Ausbildung von Hybriden. Insekten besuchen nacheinander unterschiedliche Blüten und sorgen für Pollentausch. Dabei entstehen oft besonders gelungene und unempfindliche Pflanzen. Möchte der Orchideenfreund reine Naturformen erhalten oder besondere Hybriden züchten, muß er die Ragwurzen vor Insektenbestäubung schützen. Durch gezielte Handbestäubung kann er dann die gewünschten Ragwurzen erzeugen. Vorteile, gärtnerisch vermehrter RagwurzenGärtnerisch vermehrte Orchideen sind an Gartenbedingungen und Dünger gewöhnt. Es handelt sich um gesunde, bei optimalen Bedingungen herangezogene Pflanzen. Sie stehen im Topf und bringen damit ihr Substrat gleich mit. Das sind beste Voraussetzungen um beim Käufer gut zu gedeihen. |
StandortauswahlOphrys bevorzugen einen sonnigen Platz auf magerem, durchlässigem Untergrund. Begleitpflanzen, die den Untergrund durchwurzeln, aber die Ragwurzen nicht überwuchern, unterstützen das Wachstum. Besonders geeignete Standorte finden sich auf Trockenhügel oder Magerwiese, an einer geschützten Stelle im Garten. Vorbereitung der Beete und AnpflanzenWird auf Magerwiese oder Trockenhügel ausgepflanzt, erübrigen sich Vorbereitungen. Die Ragwurzknolle wird, mit genügend Abstand zu den Begleitpflanzen, in die Erde eingesenkt. SubstratLockeres und durchlässiges Substrat ist notwendig. Lehmhaltige Gartenerde wird gemischt mit Sand, Perlite und Kalkkies. Eine Drainageschicht aus Kies oder Blähton ist notwendig, wenn der Untergrund lehmig ist und das Wasser schlecht abfließen kann. PflegeIn der Wachstumsphase wollen die Pflanzen feucht, während der Ruhephasen im Winter und Hochsommer eher trocken gehalten werden. Gedüngt wird nur während der Wachstumsphase, mit Orchideendünger oder Osmocote. Ophrys im Winter mit Reisig abdecken. Nacktschnecken sollten ferngehalten werden. Andere Schädlinge treten selten auf. Bei Bedarf können sie mit den handelsüblichen Präparaten bekämpft werden. Zwei RuhephasenOphrys durchlaufen zwei Ruhephasen pro Jahr - im Hochsommer und im Winter. Um sich vor sommerlicher Hitze und Trockenheit zu schützen, ziehen alle Ophrys-Arten im Juli, August ihre Blätter vollständig ein. Im Herbst, bei ausreichender Feuchtigkeit, bilden sie eine neue Blattrosette aus und überwintern grün. Während der Wintermonate stellen sie ihr Wachstum ein. Im Frühjahr schieben sie aus der im Herbst gebildeten Blattrosette einen Blütenstängel. |
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