Knabenkräuter

Im deutschsprachigen Raum werden Dactylorhizen und Orchis zu den Knabenkräutern gezählt. Unterschiedlich geformte Wurzelknollen dienen als eindeutiges Erkennungsmerkmal. Eher kleine Einzelblüten gruppieren sich zu einer üppigen Blütenähre. Knabenkräuter lassen sich einfach kultivieren und an unterschiedlichen Standorten im Garten verwenden. Haben sich Knabenkräuter im Garten etabliert, säen sie sich oft selber aus. Aus einigen wenigen Exemplaren können Hunderte werden.



Heimische Orchideen strahlen einen ähnlichen Zauber aus wie ihre tropischen Verwandten - auf eine zurückhaltende Art. Man muß schon genau hinschauen um ihre faszinierenden Blütenzeichnungen zu erkennen, oder sich von ihrer nuancenreichen Farbgebung beeindrucken zu lassen. Die wirkliche Schönheit erschließt sich erst bei näherer Betrachtung.

Der große Charles Darwin hat in einem seiner botanischen Werke die Orchideenblüte als die "heldenmütigste Anstrengung der Pflanzenseele" bezeichnet. Er war von den Orchideen so fasziniert, dass er beschloss, dieser Pflanzenfamilie ein eigenes Buch zu widmen. In diesem Buch, das 1882 erschien, beschrieb er als erste Pflanze nicht etwa eine tropische Orchidee, sondern Orchis mascula, ein Knabenkraut.

Gestaltungsmöglichkeiten mit Knabenkräutern

Die Wuchshöhe bei Knabenkräutern reicht von 10 bis zu 80 cm. Damit hat man ein vorzügliches Gestaltungselement in der Hand. Die Blühzeiten variieren sehr stark. Wählt man die Pflanzen geschickt aus, blühen Knabenkräuter von Anfang April bis Ende Juni. Auch mit den vielfältigen Blütenformen und Farben kann gespielt werden. Die Farbpalette reicht von weiß über rosa, pink, purpurn bis hin zu kräftigem Violett.

Garten bietet Platz für besondere Biotope

Gartenflächen bieten Platz für naturnahe Biotope. Eine Blumenwiese mit heimischen Wildstauden und verschiedenen Knabenkräutern bereichern Ihren Garten durch besondere Artenvielfalt. Auch am Teichrand finden heimische Knabenkraut-Arten den idealen Standort. Sie verbreiten sich dort vegetativ und durch Spontanaussaat. Seltene Orchideen, sowie besondere Wildstauden, die an ihrem Naturstandort oft verdrängt werden, finden im Garten einen neuen, geschützten Lebensraum.

Naturformen oder Hybriden

Bei der Züchtung von Hybriden erhalten besonders attraktive, mediterrane Pflanzen durch Einkreuzen von stabil winterharten Orchideen ausreichende Winterhärte. Bei kleinblütigen Pflanzen wird durch Kreuzen die Blütengröße gesteigert, besondere Farben werden erzielt. Jeder Orchideenliebhaber kann für sich entscheiden, ob er Naturformen oder Hybriden bevorzugt.

Standortauswahl

Knabenkräuter können an ganz unterschiedlichen Standorten stehen. Sie wachsen in leicht saurem, neutralem, bis hin zu basischem Erdreich. Sie vertragen sehr gut volle Sonne (abgesehen von wenigen Ausnahmen), geben sich aber auch mit Halbschatten zufrieden. Knabenkräuter sind bezüglich Bodenfeuchtigkeit sehr anpassungsfähig. Sie bevorzugen die Gesellschaft von anderen Pflanzen, natürlich auch von weiteren Orchideen. Ein Überwuchern durch starkwüchsige Pflanzen vertragen sie jedoch nicht. Geeignete Standorte findet man im Moorbeet (Niedermoor) am Teichrand, auf der Blumenwiese und im Staudenbeet.

Vorbereitung der Beete und Anpflanzen

In einer etwa 20 cm tiefen Grube wird geeignetes Substrat eingebracht. Die Sproßknospe sollte cirka 2 cm tief ins Substrat eingesenkt werden.

Substrat

Lockeres und krümeliges Substrat ist wichtig. Lehmhaltige Gartenerde eignet sich, wenn man sie mit Torf und Perlite mischt.

Pflege

Das Pflanzbeet sollte feucht gehalten werden. Während der Wachstumsphase wird mit Orchideendünger oder Osmocote vorsichtig gedüngt. Auf Nacktschnecken achten, andere Schädlinge treten selten auf. Bei Bedarf können sie mit den handelsüblichen Präparaten bekämpft werden.

Hochmoor und Niedermoor

Ein Hochmoorbeet ist mit Weißtorf gefüllt und deshalb extrem sauer und nährstoffarm. Im Niedermoorbeet findet man lehmhaltige Gartenerde gemischt mit Torf und Kalkkies. Für fast alle Knabenkräuter ist das Niedermoor der ideale Standort, im Hochmoor fühlt sich nur Dactylorhiza sphagnicola wohl, einige andere Knabenkräuter tolerieren es.

Ruhephasen bei Orchis und Dactylorhiza

Dactylorhizen ziehen im Herbst ihr Laub ein, bilden eine Tochterknolle mit Winterknospe (ca zwei cm unter der Erdoberfläche),
daraus erfolgt der Neutrieb im kommenden Frühjahr.
Einige Orchis-Arten ziehen im Juli, August ihr Laub ein und bilden im Herbst, an der letzjährigen Tochterknolle, eine neue Blattrosette für das kommende Jahr aus. Sie überwintern grün. Im Frühjahr treiben sie aus der bereits gebildeten Rosette aus.
Bei gutem Ernährungszustand bleiben Mutter- und Tochterknollen erhalten (vegetative Vermehrung).

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